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Die Ros´ ist schön, doch ist sie schöner
Wenn eine Thrän`im Kelche glänzet, —
Die Hoffnung ist so süß, doch süßer
Wenn sie von Furcht wird rings begränzet.

Das Aug` ist hold, doch ist es holder,
Wenn Scham die Wimper drüber senket;
Geständnis ist so süß, doch süßer
Wenn halb vom Zagen es beschränket.

Das Morgenroth ist mild, doch milder,
Wenn es durch Blässe zart entglommen: —
Ein Kuß ist süß, doch ist er süßer
Wenn unter  Sträuben er genommen.

Die Sonn` ist hell, doch scheint sie heller
Seh`n wir durch Wolkenflor sie schreiten; —
Die Lieb` ist süß, doch ist sie süßer
Wenn sie vermischt mit Bitterkeiten!

Moritz Gottlieb (Moses) Saphir, 1795-1858