Buchs

In einem Frühlingsgarten

Wie riecht am Beet der frische Buchs,
Wie dehnt sich jede Kraft,
Und Alles strebt im Frühlingswuchs,
Wie treibt und quillt der Saft.
Im jungen Stachelbeerenstrauch
Zeigt sich der erste Schoß,
Die alte ruppige Kiefer auch
Erfreut ein neuer Sproß.

Und Alles lebt und Alles blüht,
Der warme Sonnenhort
Wirkt auch im innersten Geblüt
Der beiden Falken dort,
Die sich im Liebestaumelflug,
Vor keinem Traualtar,
Umkreisen auf dem Hochzeitszug;
Wie blitzt ihr Flügelpaar.

Ich stehe am Kastanienbaum,
Wo noch die Knospe klebt,
Wo eben durch den Gartentraum
Ein blauer Falter schwebt.
Mein Auge schweift so sehnsuchtsvoll,
Weiß nicht warum, wohin,
Wohl das es immer suchen soll
Die kleine Gärtnerin.

Und heimlich flattert her ein Gruß,
Sie gräbt die Schollen auf.
Ihr derber Strumpf, ihr kleiner Fuß
Bringt schnell mein Blut in Lauf.
An ihrer Seite bin ich bald,
Sie kichert und wird rot,
Und tut so spröde, tut so kalt,
Das macht mir wenig Not.

Halt ein und laß das Graben sein,
Und komm an meine Brust.
Da sträubt sie sich in holder Pein
Und wechselt Angst und Lust.
Bis ich in meinen Arm sie zwang,
Noch immer will sie fliehn;
Hat endlich doch in Trieb und Drang
Dem wilden Sturm verziehn.

Detlev von Liliencron, 1844-1909