Gedichte-Lyrik-Poesie

GEDICHTE: GEIST - GEDANKEN - WORTE - SCHÖNHEIT - SINNE
ÄSTHETIK - KUNST - INSPIRATION

Gedichte und Gedanken, Philosophisches über Schönheit, Ästhetik, Malerei, Musik,
Licht, Schatten, Farben, Schönheit, Sinne, Wahrnehmung.

Licht - von Gabriela Schlenz
Licht - von Gabriela Schlenz

Philosophisches

Nicht das Meer ausschöpfen wollen

Die Philosophie ist eine Turnstunde des Geistes. Ein Schaf philosophiert nicht, ein Schafskopf zuviel. Wenn der Grund zu tief ist, fehlt er. Wer zu weit geht, bleibt entfernt. Zerbrechenn ist ein Grad des Erfassens. Tiefe Geister reizt die Oberfläche der Erscheinungen. Oberflächen sind des Wesens Rücken. Der Dinge und der Menschen Wesen ist ihr Stil. Die Form des Seins ist selbst das Sein. Hinter allen Außenseiten fängt die Außenseite wieder an. Solange jemand denkt, ist Unerschöpflichkeit vorhanden. Nur, wo nichts ist, ist nichts unklar. Man nehme die Probleme probeweise, um sie zu ertragen, auch dann sind sie noch schwer genug. Das Meer schöpft ganz gewiß nicht aus, wer sich mit einem Löffel an den Strand begibt, Substanz ist schon in kleinen Proben.

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

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Gedanken sind Äpfel am Baume,
Für keinen Bestimmten bestimmt,
Und doch gehören sie schließlich
Dem einen, der sie nimmt. - Hugo von Hofmannsthal

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Metaphysisch denken

Schein der Physik birgt Sein der Metaphysik. Die Professoren der Metaphysik sind die Kinder. Ein Weiser ist ein reifes Kind. Treffpunkt aller Metaphysiker liegt im Traum. Innerliche Bilder enthalten Schlüssel zum Sein. Man kann Klüfte überspringen, nur nicht: deutlich wissend wie. Physik prahlt mit Mechanik-Kraft: Verschiebung letztlich ungelöster Seinsprobleme. Sinn von Physik sind Funktionen des Sinnlosen. Die Physiker wären imstande, auf dem Monde Krankheit, Kriege, Not und Unfug zu ermöglichen, Schlachthäuser natürlich auch. Physik ohne Ethik ist Götzendienst am Material. Jedes Sein ist anvertraut.

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

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Nach dem Grund der Gründe suchen

Alle Gründe haben einen Grund, den Hintergrund des Seins. Der rechte Philosoph sucht Allgemeines erst, Besonderes alsdann. Besonderes ist Wesensprobe. Gilt etwas letztlich, gilt es auch schon hier und jetzt. Hat man den Grund der Gründe gefunden, fragt man nicht weiter. Man verbeugt sich, und man dankt,

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

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Ganze Bilder in drei Pinselstrichen zeichnen

Vollkommene Lehrbarkeit einer Kunst degradiert sie zur Wissenschaft. Entwurf aus Genialität ist wie ein blinder Sprung. Bedeutende Wissenschaftler waren letztlich Künstler. Das Finden der Methode selbst gelingt methodisch nicht. Welch Genuß, mit wesentlichen Köpfen zu verkehren. Man schämt sich der Umwege, wenn man die kürzeste Verbindung entdeckt. Unser Denken ist Denkübung, oder es hört auf. Die Kunst ist wie ein Steinwurf in den Himmel: man trifft nicht halbwegs, Näherung gelang. Übungen in Worten und in Bildern laufen auf Beherrschungen von Andeutungen hinaus. Ganze Bilder kann man in drei Pinselstrichen zeichnen, zunächst noch nicht, zuletzt. Begrenztes und Unendliches sind einfach.

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

Die Weltweisen - Friedrich Schiller
Die Worte des Glaubens - Die Worte des Wahns - Friedrich Schiller
Geist und Schöngeist - Friedrich Schiller
Über Schönheit und Ästhetik - Friedrich Schiller
Der Ästhet - Christian Morgenstern
Schönheit - Hugo von Hofmannsthal
An die Schönheit - Ernst Stadler
Vergänglichkeit der Schönheit - Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Widmung - Hugo von Hofmannsthal
La beauté - Charles Baudelaire

SCHÖNHEIT UND ZAUBER DER SINNE

Dem Weib gab Schönheit die Natur,
dem Manne Kraft, sie zu genießen,
ein Tor allein, ein Heuchler nur
sucht sich der Liebe zu verschließen!
Wohlan, so rett' ich gern dein Leben,
für deine Freiheit stürbe ich;
für dieses männlich schöne Streben
erwartet Glück und Freude mich!

Richard Wagner

Über die Sinne - Johann Wolfgang von Goethe

Aus dem Drama: SEHNSUCHT von Max Dauthendey, Einleitung:
Der Bühnenraum stellt das Gehirn des Menschen dar. Lilafahle Dämpfe
wühlend gewälzt um einen granitgrauen Wolkenkern. Schütterndes Leuchten
grüngolden, violettgolden weht in trüben Wolkengrüften. Zuckende Flöten-
und Violinlaute. Die grauen Wolken ringen. Sonnenweiß zerspringt das
Gewölk. Weiß, silberlila, silberrosig, blütenrauschend das Bild eines
Frühlingsgartens. Weiß üppig leuchtend aus dem graufahlen Kranz der
Wolken. Brausend der Gesang der Sinne:

Lautweiße Brandlung loht,
Weiße Blütenlawinen,
Blank dampfen die Gärten.
In weißen Flocken versank Schlehengedorn,
Schwank licht in Caskaden Kirschblütenschaum,
Vom Pfirsichbaum rosige Quellen.
Citronengolden, in hellen Güssen,
Goldregen schwer,
Bleich Akaziendolden,
Bleich Syringentrauben,
Im Irismeer gleissen die Düfte,
Heiße kochende Bienenschwärme,
Purpurpochende Apfellauben,
Schallende Drosselsänge strählen
Silbern die wallenden Blütengänge,
Lallende Wärme der jungen Erde,
Laufeuchte Schatten matt niedergesunken,
Trunken in den weißen Blütenjuwelen
Wühlen brandblau die Himmelfunken.
Max Dauthendey, 1867-1918 (Ges. Werke, Bd VI)

DIE WELT DER SINNE UND WAHRNEHMUNG

Licht und Schatten

Licht
Licht, vom Himmel flammt es nieder,
Licht, empor zum Himmel flammt es;
Licht, es ist der große Mittler
Zwischen Gott und zwischen Menschen;
Als die Welt geboren wurde,
Ward das Licht vorangeboren,
Und so ward des Schöpfers Klarheit
Das Mysterium der Schöpfung;
Licht verschießt die heil'gen Pfeile
Weiter immer, lichter immer,
Ahriman sogar, der dunkle,
Wird zuletzt vergehn im Lichte. — August von Platen, 1796-1835

Himmlisches Licht - Meister Eckhart
Geistes Licht - Friedrich Schlegel
A la lumière - Anatole France
Licht und Schatten - Sophie Mereau
Blick ins Licht - Richard Dehmel
Der Schatten
- Georg Trakl

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Licht und Farbe

Licht und Farbe - bei Johann Wolfgang von Goethe und Isaac Newton

Salomonis Purpur Salomonis Purpur - © Dorle Wolf

Bedeutung der Farben - Martin Opitz
Feuerfarb - Sophie Mereau

SEHEN

Den Verstand mit Argumenten speisen, das Gemüt mit einem Bild

Unsere Seele ist eine Waage; wenn sie sich neig, so nützt es wenig, sie durch Argumente auszugleichen. Argumente haben seelisch kein Gewicht, noch bringen sie Erleichterung von Lasten, die uns drücken. Für den Verstand sind Argumente zwingend, doch beim gemüt ist es das Bild, das wirkt. Kluger Rat ist meist vergeblich, wenn nicht Worte eindrucksvolle Bilder wecken. Nur Bilder drücken sich der Seele ein. Damit ein Bild wirkt, soll man möglichst schweigen. Das Wortemachen hat nur seelisch Sinn, wenn es ein Zeigen unterstreicht. Ein Bild spricht dadurch, daß es nichts verlauten läßt. Begrenzt ist eines Wortes Sinn, doch der des Bildes ist unendlich. Die Seele ist ein Bilderbuch. Angst beruht auf Bildern, Freude ebenso. Man räume fort, was unter Menschen die Gewinnung einer guten Ansicht stört. Man zeige seiner Seele das, was sie erhebt. Das beste aller Bilder bleibt das Vorbild.

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

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HÖREN

Die Welt der Töne: Sprache, Gesang, Musik und Instrumente, Konzert

Heilige Stille - Clara Müller-Jahnke
Voyelles - (Vokale) - Arthur Rimbaud
Die Welt ist laut - Paul Scheerbart

Die Töne - Ludwig Tieck
Die Äolsharfe in der Ruine - Justinus Kerner
Der Gesang im Ofen - Justinus Kerner
Musik - Rainer Maria Rilke
An die Musik - Rainer Maria Rilke
La musique - Charles Baudelaire
Ballade in g-Moll - Detlev von Liliencron
Phantasie - Clemens Brentano
Simphonie - Clemens Brentano
Gemartert - Wilhelm Busch
Die Harfenjule - Theodor Fontane

Erinnerung an ein Konzert - Sabina Schrenker

Erinnerung an ein Konzert - © Bild und Gedicht: Sabina Schrenker

Die harmonischen Klänge höre ich entspannt.
Die Sinfonie ist mir bekannt.
Auf der Woge der Melodien
lasse ich meine Gedanken ziehen,
weit ab in das Land der Phantasie
lasse ich schweifen sie.
Die Töne lassen mich beben,
ich fange an zu schweben.
Immer weiter zieht mich der Klang
in seinen berauschenden Bann.
So erinnere ich mich immer gerne
an ein Konzert, bei dem ich abschweifen konnt` in die Ferne.
© Sabina Schrenker, Würzburg

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GERUCH

Die Welt der Düfte

Der Duft - Rainer Maria Rilke
Le Flacon - Charles Baudelaire
Le Parfum - Charles Baudelaire
Mein Zimmer duftet königlich fein - Max Dauthendey
Gerüche von wildem Rosenholz und von Maibirkenrinde - Max Dauthendey
Geruch der Walderde - Max Dauthendey
Max Dauthendey - Gedichte über Düfte und Gerüche

SEHEN UND FÜHLEN

Aus den Römischen Elegien, V. Elegie

...
Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt;
Werd ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt vergnügt.
Und belehr ich mich nicht? wenn ich des lieblichen Busens
Formen spähe, die Hand leite die Hüften hinab.
Dann versteh ich erst recht den Marmor, ich denk und vergleiche,
Sehe mit fühlendem Aug, fühle mit sehender Hand.
...

Johann Wolfgang v. Goethe

SYNÄSTHESIE

Synästhesie - eine besondere Form der Wahrnehmung, bei der durch einen einzelnen Sinnesreiz gleichzeitig mehrere Sinne angesprochen werden: z.B. können Gerüche gehört oder Töne gesehen werden; eine "Laune" der Natur. Menschen mit dieser Begabung sind meist sehr sensitiv und hochbegabt, nehmen ihre Umwelt etwas anders wahr, sind oft Individualisten, die "stillen Wasser", die kreativen Künstler und die "Praktiker", die eher im Hintergrund arbeiten, nicht nach Macht drängen.

siehe auch: Intermedialität und Synästhesie bei Autoren der Romantik bei: (www.goethezeitportal.de)

und: Vision von Max Dauthendey, nach Gemälde von Edvard Munch

Licht in sich und anderen entzünden

Wir Menschen sind Kinder des Lichts, Dunkelheiten ausgesetzt. Die Schatten sind nicht Herr des Lichts. Liebe ist kein kaltes Licht. Man entzünde Licht in sich, um in dunklen Tagen seinen rechten Weg zu finden, nicht nur den für sich. Ein in sich leuchtender Mensch hilft mit, daß andere nicht Schaden leiden, auch die Tiere nicht. Lichtausbreitung, Sinn des Seins. Ein inspirierter Mensch entzündet lauter Lichter. Viele warten lange drauf, daß es heller wird in ihnen. Was in uns ist, um uns ist. Jedes Licht ist Teil des einen Lichts. Das innerliche Licht der Menschen reicht für ihren Lebensheimweg aus.

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

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Ce qui embellit le désert, c'est qu'il cache un puits quelque part...
Antoine de Saint-Exupéry

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Dem Schönen nachwinken

In der Geistesgeschichte gibt es Schlußpunktsetzer. Wer die letzten Sätze vieler Bücher sammeln würde, hätte ein besonders lesenswertes Buch. Das Ganze jedes Seins wird vom Anfang und vom Ende eingeklammert. Unser Lebensweg ist der des hübschen Drachens aus Papier, dessen Flug begann, nachdem er Kinderhand entglitt, ein Höhenflug, der auf Erden endet, während er dem Himmel galt. Beim Abschied lächeln und beim Abschied winken, hoffen auf die Wiederkehr.

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)