Gedichte-Lyrik-Poesie

Gedichte: Menschheit, Mensch, Leben, Schicksal,
Glück und Unglück, Freude und Leid, Politisches, Religiöses.

Gedichte über Leben und Wesenheit des Menschen als Individuum,
Leben in der Gesellschaft, Schicksal ... wie das Leben so spielt....

Greift nur hinein in`s volle Menschenleben!
Ein jeder lebt`s, nicht vielen ist`s bekannt,
Und wo ihr`s packt, da ist`s interessant.
(Faust / Vorspiel auf dem Theater) - Johann Wolfgang von Goethe

GEDICHTE ÜBER DIE MENSCHHEIT UND DEN MENSCHEN

Hymne an die Menschheit - Friedrich Hölderlin

Gedichte über den Mensch, seine Identität und Wesenheit - Körper, Geist und Seele

Du weißt, daß dein Körper des immerwährenden, unausgesetzten Stoffwechsels bedarf. Deine Seele ebenso. Weißt du auch das? Hast du noch nicht ihren Hunger, ihren Durst beachtet? Gieb ihr, was ihr nöthig ist, aber nicht Lüge anstatt Wahrheit und nicht Finsterniß anstatt Licht! Die Seele des Menschen ist nach ihrem Wesen nichts als Gottesliebe. Beginnt der Geist des Menschen, diese Liebe zu empfinden, so sagt er, weil er sie nicht begreift: "Ich glaube", anstatt: "Ich liebe!" -  (Karl Friedrich May, 1842-1912)

Prometheus - Johann Wolfgang von Goethe
An die Parzen - Friedrich Hölderlin
Adam und Eva - Rainer Maria Rilke
Der Mensch - Friedrich Hölderlin
Gottlob! daß ich auf Erden bin - Novalis
Der Mensch - Matthias Claudius
An Agathon - Novalis
Zur Teleologie - Heinrich Heine
Sonett der Seele - Hugo von Hofmannsthal
Seele des Lebens - Georg Trakl
Der Mensch - Karl Friedrich May

Über Menschenkenntnis

"Seid ihr nicht wie die Weiber, die beständig
Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort,
Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang!
- Des Menschen Taten und Gedanken, wißt!
Sind nicht wie Meeres blindbewegte Wellen.
Die innre Welt, sein Mikrokosmus, ist
Der tiefe Schacht, aus dem sie ewig quellen.
Sie sind notwendig, wie des Baumes Frucht,
Sie kann der Zufall gaukelnd nicht verwandeln.
Hab ich es Menschen Kern erst untersucht,
So weiß ich auch sein Wollen und sein Handeln."
- Friedrich von Schiller (Wallenstein zu Illo und Terzky)

Allzumenschliches

Der weise Schopenhauer spricht -
und gern betret` ich seine Spur:
"Ein jedes Menschenangesicht
ist ein Gedanke der Natur."

Es folgt daraus das eine nur,
wenn man dem Worte Glauben schenkt:
Daß auch die ewige Natur
mehr Dummes als Gescheites denkt. — (Oskar Blumenthal)

Gedichte über Schönheit, Körper und Körperteile des Menschen

Schönheit

Gesichtszüge, welche die Geheimnisse unserer Seele enthüllen, verleihen dem Gesicht Schönheit und Anmut, selbst wenn diese seelischen Geheimnisse schmerzlich und leidvoll sind. Gesichter hingegen, die - Masken gleich - verschweigen, was in ihrem Innern vorgeht, entbehren jeglicher Schönheit, selbst wenn ihre äußeren Formen vollkommen symmetrisch und harmonisch sind. Ebenso wie Gläser unsere Lippen nur anziehen, wenn durch das kostbare Kristall die Farbe des Weines hindurchschimmert.
- Khalil Gibran, 1883-1931

Männer haben eine breite Brust
und schmale Hüften,
darum haben sie auch Verstand.
...
Die Weiber haben schmale Brüste,
breite Schenkel und einen breiten Hintern,
darauf sie sollen still sitzen.
- Martin Luther, 1483-1546

Das Auge

Die Welt ist eine große Seele
Und jede Seele eine Welt;
Das Auge ist der lichte Spiegel,
Der beider Bild vereinigt hält.

Und wie sich dir in jedem Auge
Dein eignes Bild entgegenstellt,
So sieht auch jeder seine Seele,
Sei eignes Ich nur in der Welt.
- Friedrich Emil Rittershaus, 1834-1897

Du hast... - Karl Friedrich May
Dein Auge - Karl Friedrich May
Ein graues Auge - Friedrich von Bodenstedt
Meine füszeMein KopfMein Hintern — © Suitbert Hoffmann

Gott nur siehet das Herz.— Drum eben, weil Gott nur das Herz sieht,
sorge, daß wir doch auch etwas Erträgliches sehn! — Friedrich von Schiller

GEDICHTE ÜBER DEN MENSCHEN,
über das Leben, menschliche Eigenschaften, der Mensch als Individuum
Lebensläufe, Lebenswege des Menschen, sein Dasein, seine Arbeit, sein Vergnügen,
seine Erfahrungen wie das Leben so spielt...),
Charakterzüge, Eigenschaften, Eigenheiten, Freude, Leid, Glück, Unglück etc.

[Auf der Suche nach Gott]
Gedichte  in spanischer Sprache der Mystikerin: Teresa Sánchez de Cepeda y Ahu-mada
Vor der Schönheit Gottes: Seele, suche dich in mir, und mich in dir. - Theresia von Avila

Wie das Leben so spielt ... Wesenszüge, Launen des Menschen:
Schicksalhaftes, Freude, Leid, Glück, Unglück, Pech, Trauer, Trost, Erfahrungen etc.

Heimat

Es gibt ein Stück Erde . . . .
Es gibt ein Stück Erde, an dem man klebt,
und das man im Herzen stets liebbehält.
Die Scholle, auf der man die Kindheit verlebt,
vergißt man niemals im Trubel der Welt.
Man kennt jedes Steinchen und weiß jeden Laut.
Es taucht vor uns auf, so lebendig und wach,
das Haus mit dem Gärtchen, so heimisch vertraut.
Die Tauben girren noch auf dem Dach.
Die rissige Mauer mit dem wilden Wein,
berankt bis zum Giebel grün und dicht.
Die Stare nisten am Dachfensterlein.
Der Vater kommt müde heim von der Schicht.
Der Birnbaum steht verkümmert, wie er damals war.
und Sonnenblumen blühen am Gartenrand.
Es ist so, als streichle unser zerzaustes Haar
der guten Mutter segnende Hand.
Und wenn man die Welt kennt und alles gesehn,
bleibt dieses Stück Erde, an dem man klebt.
Mag sie finster und arm sein, für mich ist sie schön –
die Heimat des Bergmanns, wo ich die Kindheit verlebt.

Fred Endrikat, 1890-1942

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Alte Wege

Wenn man wieder einmal alte Wege geht,
die man einst mit einem lieben Menschen ging,
ist es, wie wenn leise Wehmut durch die Bäume weht
und ein jeder Zweig voll Tränen hing.
Wie vergoldet scheint am Weg ein jeder Stein,
stummen Blicks, wie alte Freunde, grüßt man sie.
Fremde Menschen kommen, und man neigt den Kopf zum Schein.
Ganz von fern klingt eine längst verstummte Melodie.
Eine graue Mauer schaut mit faltigem Gesicht
nachdenklich durch dunkles Efeugrün,
und es ist, als ob sie traumversonnen spricht:
"Alte Wege soll man nie alleine ziehn."

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Vater an den Sohn

Du siehst dort das Häuslein am waldigen Rand,
von Hecken umzäunt, still und klein.
Es war einst verfallen, das Dach war verbrannt.
Wir bauten es auf – Stein um Stein.

Du siehst dort die Felder. Sie wuchsen empor
aus dem Nichts und vergrößerten sich.
Sie waren einst Brachland und sumpfiges Moor.
Wir gruben sie um – Stich um Stich.

Du siehst dort die Straße, die wuchtig, gerad
in endlose Fernen sich zieht.
Sie war einst ein zielloser, holpriger Pfad.
Wir legten sie an – Schritt um Schritt.

Das Häuslein, die Straße, die Felder sind dein.
Wir schufen dies alles für dich.
Sie sollen Vermächtnis und Mahnung dir sein,
jeder Stein, jeder Schritt, jeder Stich.

Fred Endrikat, 1890-1942

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GLÜCK UND UNGLÜCK

Was suchst du?
Warte und wache so laut du kannst.
Wache und horche.
Das Glück, das berauschende, wonnezitternde Glück,
Es kommt nie. Es ist.
Es umarmt dich jäh,
Aus der pochenden Ahnung geboren.
Rosen, starke schwellende Rosen häufen ihren Duft.
Das ist kein Atem.
Und sein Lachen?
Es gibt nur ein Lachen.
Und das Lachen heißt "Glück."
Und seine Augen! O diese Augen,
Die Strahlenblume des Himmels,
Der Sternentau silberner Nächte,
Schrill und melodisch.
Aber so ist es nicht immer.
Es kriegt in sich,
Lustsaugend an der Erinnerung.
Und dann leben die blendenden Träume,
Versteinert, stumpf und hart,
Wie des Mondlichts marmorne Lilien.
Aber nicht lange.
Wühlende Glockenlaute,
Taumelnd, schweigend,
Von Freude gewiegt,
In Freude schwingend und schäumend
Das ist seine Stimme,
Seine allüberflutende Stimme.
Wird es nie müde?
Müde! Todesmüde.
Aber dann ist es nicht mehr,
Und wird nie mehr sein.
Es flackert noch rot,
Rot, purpurrot,
Aber ohne glühende Kraft,
Nur noch die Farbe von Flammen und Rosen.
Stockend kalt ekelgronnenes Blut.
So ernst wird es dann,
Und so angstfromm,
Und Weihrauch kriecht ihm zu Füßen.
Tief im Dunkel,
In modernder Einsamkeit
Tasten die blassen Gedanken.
Horch! Harfen, ferne, ferne Harfen...
Da breitet die Sehsucht
Schluchzend die Arme:
O Glück! Glück!
O Glück!

Max Dauthendey, 1867-1918

Das Glück - Karl Friedrich May
Anakreontisches Liedel - Detlev von Liliencron
Es ist das Glück ein flüchtig Ding - Emanuel Geibel
Glück und Unglück - Heinrich Heine
Das Glück von Edenhall - Ludwig Uhland
Menschliches Elende - Andreas Gryphius
Der Wechsel menschlicher Plagen - Quirinius Kuhlmann

Lernen, was das Unglück lehrt

Die uns angehenden Rätsel des Seins sind lösbar, die Lösung der übrigen geht uns nichts an. Zu denken gibt uns Licht, zu denken Schatten. Unglück belehrt uns über Glück. Aus Unglück kommen ungeahnte Kräfte der Besinnung. Viele wären ohne Unglück nie zur Reife gelangt. Ein Weiser dankt dem Unglück für Erkenntnis. Ertragenes Unglück beherrscht uns nicht. Feinere Seufzer sind Kultur. Lauter Glück ist lauter Lüge. Eine Landschaftz ohne Schatten läßt erblinden. Vor allem mache man als Unglücklicher andere nicht unglücklich, um glücklicher zu werden. Die Welt wird vom Unglück entlastet, wenn es in uns selbst verschwindet. Man dünge den Boden des Unglücks nicht.
(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

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FREUDE UND LEID

Die Freuden - Johann Wolfgang von Goethe
Das Schlauraffenland - Hans Sachs
Schlaraffenland - Hoffmann von Fallersleben

Hymne an die Lebensfreude

Ihr Freunde, hebet die Pokale.
Das Gläserklirren hör' ich gern.
Stoßt an mit einer rauhen Schale
und sucht in ihr des Pudels Kern.

Bei uns wird nicht gesplitterrichtet.
Probleme sind unwesentlich.
Hier wird gesungen und gedichtet.
Wem es nicht paßt, der trolle sich.

Nur keine überspitzten Faxen.
Wir reden von der Leber weg,
so wie der Schnabel uns gewachsen,
und meiden den verschmockten Dreck.

Gewiß, es ist zu allen Zeiten
so grundverschieden der Geschmack.
Der eine lauscht dem Klang der Saiten,
der andre liebt den Dudelsack.

Wir freuen uns an allen Tönen,
wenn sie nur klingen klar und rein.
Erbauen uns an all dem Schönen,
selbst wenn es noch so winzig klein.

Der Spatz tschilpt auf dem Mist sein Liedchen,
doch es ist echte Melodie.
Im Gras ein Gänseblumenblütchen
bringt schönste Frühlingspoesie.

So ist's im großen wie im kleinen:
Die Liebe adelt Mensch und Ding.
Nur große Nullen, die verneinen
und schätzen Gott und Welt gering.

So leben wir in jungen Jahren,
daß wir es später nicht bereun,
und können uns mit weißen Haaren
an einem Märchenbuch erfreun.

Es gibt im Leben soviel Sachen,
die dünken mich skurril, bizarr.
Wenn nur die Narren dürfen lachen,
dann bin ich wohl der größte Narr.

Du herrlich schönes Weltgebäude,
dir widmen wir zum Dank den Toast
für jedes Stücklein Lebensfreude.
In diesem Sinne, Freunde, Prost!

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Enivrez-vous

Il faut être toujours ivre. Tout est là: c'est l'unique question. Pour ne pas sentir l'horrible fardeau du Temps qui brise vos épaules et vous penche vers la terre, il faut vous enivrer sans trêve. Mais de quoi? De vin, de poésie, de vertu, à votre guise. Mais enivrez-vous.
Et si quelquefois, sur les marches d'un palais, sur l'herbe verte d'un fossé, dans la solitude morne de votre chambre, vous vous réveillez, l'ivresse déjà diminuée ou disparue, demandez au vent, à la vague, à l'étoile, à l'oiseau, à l'horloge, à tout ce qui fuit, à tout ce qui gémit, à tout ce qui roule, à tout ce qui chante, à tout ce qui parle, demandez quelle heure il est; et le vent, la vague, l'étoile, l'oiseau, l'horloge, vous répondront: "Il est l'heure de s'enivrer! Pour n'être pas les esclaves martyrisés du Temps, enivrez-vous; enivrez-vous sans cesse! De vin, de poésie ou de vertu, à votre guise."

Baudelaire: Petits poèmes en prose, XXXIII (1869)

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Zufriedenheit

Zufriedenheit mit seinem Zustande - Christian Fürchtegott Gellert
Die Zufriedenheit - Johann Martin Miller
Die Zufriedenheit - Christian Felix Weiße

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Einsamkeit

Einsambkeit - Andreas Gryphius
An die Einsamkeit - Johann Timotheus Hermes
Einsamkeit - Rainer Maria Rilke

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Leben, Lebensweisheiten, Lehren, aus dem Leben gegriffen (u.a.: Balladen)

Das Leben

Es ist ein toller Reigen
Und ein tolle Welt,
Der eine kann nur steigen,
Wenn schon der andre fällt.

Im Land auf einer Reise
Sah ich viel Brunnen stehn,
Den alten Eimer leise
Drin auf- und niedergehn

Und fuhr die Brunnenstange
Empor ein gutes Stück -
Der Eimer seufzte bange
Und ging zum Grund zurück.

Und ward er stolz nach droben
Zum Licht zurückgelenkt,
Hat traurig sich von oben
Der Brunnenschaft gesenkt ...

Das ist so ganz das Leben,
Der wechselvolle Lauf,
In stetem Wandel schweben
Auch wir hinab, hinauf.

Das Steigen und das Fallen
Zeigt, wie zu jeder Frist,
Der Wechsel nur von allem
Allein beständig ist.

Doch hat trotz aller Schauer
Das Gleichnis mich erfrischt:
In seine trübe Trauer
Ist auch ein Trost gemischt.

Der Trost, der mir im Herzen
Wie Ostersonne glüht:
Daß oft aus meinen Schmerzen
Des andern Glück erblüht.

Carl Busse, 1872-1918

ich saz ûf eime steine - Walther von der Vogelweide
Der Baum des Lebens - Friedrich Rückert
Leben - Karl Henckell
Lebensfahrt - Heinrich Heine
Lebenspflichten - Ludwig Heinrich Christoph Hölty
Der Zauberlehrling - Johann Wolfgang von Goethe
Das Lied von der Glocke - Friedrich von Schiller
Der rechte Barbier - Adelbert von Chamisso
Prinz Eugen, der edle Ritter - Ferdinand Freiligrath
Die Brück` am Tay...28.Dez.1879 - Theodor Fontane
John Maynard - Theodor Fontane
Trutz, blanke Hans - Detlev von Liliencron
Die Weiber von Weinsberg - Gottfried August Bürger
Wo ist der Mensch, den... - Joachim Ringelnatz
Ihr Dach stieß fast bis an die Sterne - Arno Holz
Wirklich, er war unentbehrlich - Wilhelm Busch
Der Lattenzaun - Christian Morgenstern
Der Würfel - Christian Morgenstern
Die Tabakspfeife - Gottlieb Konrad Pfeffel
Spielball - Joachim Ringelnatz
Die Zauberin im Walde - Joseph, Freiherr von Eichendorff
Begegnung in der Kastanienallee - Rainer Maria Rilke
In der Kunstausstellung - Ada Christen
À la musique - Arthur Rimbaud - Bei der Musik
Der Sänger - Johann Wolfgang von Goethe
Der Leiermann - Wilhem Müller
Das Karussell - Rainer Maria Rilke
chevaux de bois - Paul Verlaine
Einen Menschen wissen... - Marie von Ebner-Eschenbach
An die Freunde - Theodor Storm
Gern schließ`ich einmal meine Türen - Theodor Storm
Sie war ein Blümlein... - Wilhelm Busch
Puppen - Ernst Stadler
Old Meg she was a Gipsey - John Keats
Der alte und der junge Wein - Gotthold Ephraim Lessing
Trinklied - Zu Klingenberg am Maine - Achim von Arnim
Der Talisman des Weines - Friedrich Rückert
Drei Zechsprüche - Friedrich Rückert
Der Trinker - Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Der Angetrunkene - Alfred Lichtenstein
Das Lied vom blonden Korken - Christian Morgenstern
Der Seriöse - Joachim Ringelnatz
Wüstes Schimpfen eines Wirtes - Alfred Lichtenstein
Die Vagantenbeichte - Carmina Burana
Meditation - Joachim Ringelnatz
Trost - Karl Friedrich May
Der Himmel hat eine Träne geweint - Friedrich Rückert
Der Verdrüßliche - Ludwig Bechstein
Wer Bildung hat, der ist empört - Wilhelm Busch
Die zwei Gesellen - Joseph, Freiherr von Eichendorff
Bruder Liederlich - Detlev von Liliencron
Jene kleinsten ehrlichen Artisten - Joachim Ringelnatz
Es ist alles eitel - Andreas Gryphius
Vanitas - Nikolaus Lenau
Verschwiegenheit - Johann Wolfgang von Goethe
Hoffnung - Friedrich von Schiller
Sehnsucht - Sissi - Kaiserin Elisabeth von Österreich, Königin von Ungarn
Gelassenheit - Christian Fürchtegott Gellert
Lob der Faulheit - Gotthold Ephraim Lessing
Chartres - Joachim Ringelnatz
Ich kam in eine große Stadt - Friedrich Martin Bodenstedt
In der Fabrik - Hedwig Dransfeld
Badetag - Kurt Tucholsky
Mein Wannenbad - Joachim Ringelnatz
Intérieur - Alfred Lichtenberg
Elégie - Albert Samain
Une douceur splendide et sombre - Albert Samain
All the world`s a stage... - William Shakespeare
Hamlet - William Shakespeare

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Sport, Spiel, Freizeit

Ruf zum Sport - Joachim Ringelnatz
Fußball - Joachim Ringelnatz

Einem Fußballer ins Stammbuch

Du trittst sozusagen dein Glück mit den Füßen
und zielst immer möglichst ins Leere hinein.
Mit zweiundzwanzig Beinen allein kann man keine Tore schießen,
es müssen auch elf Köpfe mit im Spiele sein.

Fred Endrikat, 1890-1942

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Mein Leben

Mein ganzes Leben war ein traurig Irren,
Nach Lieb‘ und Glück ging ich als Kind schon aus,
Gleich Faltern sah ich sie verlockend schwirren,
Die hin und wieder ruhn auf Blumen aus;
Sie lockten mich bis hin zum späten Abend,
Doch als der Nebel stieg, der Höhen Rauch,
Versanken sie, in Blumen sich begrabend,
Und meine Hand griff in den Dornenstrauch.

Nun bin ich müde, rühre keinen Finger,
Lieg‘ auf dem Rasen, den der Reif schon netzt,
Da seh ich wieder diese schönen Dinger,
Doch keines sich auf Blumen niedersetzt.
Sie schweben hoch und höher, jetzt entschwinden
Sie gänzlich meinem feuchtgewordnen Blick.
Die Blätter fallen von den Kirchhofslinden
Und flüstern leis‘; nur oben wohnt das Glück!

Johanna Ambrosius, 1854-1939

 

GEDICHTE ÜBER MENSCH, GESELLSCHAFT, WELT
allgemein - historisch - politisch - respektlos

Regierungs-Grundsatz

Lasse, die dir ferne stehn,
Deinen Schutz empfinden,
Und die nah dir sind, laß zügellos nicht gehn;
So wird dir des Reiches Glanz nicht schwinden. - Friedrich Rückert, 1788-1866

"Sire, geben Sie Gedankenfreiheit"
- so heißt es in: Don Carlos III,10 / Marquis von Posa (Friedrich Schiller)

Die Gedanken sind frei - Alte Volksweise
Hymne an die Freiheit - Friedrich Hölderlin
Gutenbergslied - Georg Herwegh
Freie Presse - Ferdinand Freiligrath
Freiheit, die ich meine - Max von Schenkendorf
Ich möchte gern mich frei bewahren - August von Platen
Leicht Gepäck - Georg Herwegh
Der Ring des Polykrates - Friedrich von Schiller
Die Kraniche des Ibykus - Friedrich von Schiller
Das Grab im Busento - August Graf von Platen
Der König in Thule - Johann Wolfgang von Goethe
Der alte Barbarossa - Friedrich Rückert
Als Kaiser Rotbart lobesam - Ludwig Uhland
Prinz Eugenius, der edle Ritter - Volkslied
König Richard - Heinrich Heine
Thränen des Vaterlandes - Andreas Gryphius
Lützows wilde, verwegene Jagd - Theodor Körner
Das Lied der Deutschen - August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Das Lied von der deutschen Treue - Ludwig Pfau
Die schlesischen Weber - Heinrich Heine
Deutsches Volkslied - Klabund
Bundeslied - Georg Herwegh
Das Parlament - Joachim Ringelnatz
Pereant die Liberalen - Robert Eduard Prutz
Der Bürgermeister (Intermezzo) - Joseph von Eichendorff
Feldfrüchte - Kurt Tucholsky
An die Verstummten - Georg Trakl
Europäischer Tierkreis - August von Platen

El gran teatro del mundo  - Pedro Calderón de la Barca

Gedichte über Revolutionen, Krieg und Frieden, Konflikte
(Biedermeier, Vormärz etc.)

Der Krieg - Ein Schulaufsatz

Der Krieg (bellum) ist jener Zustand, in welchem zwei oder mehrere Völker es gegeneinander probieren. Man kennt ihn schon seit den ältesten Zeiten, und weil er so oft in der Bibel vorkommt, heißt man ihn heilig.Im alten Rom wurde der Tempel geschlossen, wenn es anging, weil der Gott Janus vielleicht nichts davon wissen wollte. Das ist aber ein lächerlicher Aberglaube und durch das Christentum abgeschafft, welches die Kirchen deswegen nicht schließt. Es gibt Religionskriege, Eroberungskriege, Existenzkriege, Nationalkriege u.s.w. Wenn ein Volk verliert, und es geht dann von vorne an, heißt man es einen Rachekrieg. Am häufigsten waren früher die Religionskriege, weil damals die Menschen wollten, daß alle Leute Gott gleich liebhaben sollten und sich deswegen totschlugen. In der jetzigen Zeit gibt es mehr Handelskriege, weil die Welt jetzt nicht mehr so ideal ist. Wenn es im Altertum einen Krieg gab, zerkriegten sich auch die Götter. Die einen halfen den einen, und die andern halfen den andern. Man sieht das schon im Homer. Die Götter setzten sich auf die Hügel und schauten zu. Wenn sie dann zornig wurden, hauten sie sich auf die Köpfe. Das heißt, die Alten glaubten das. Man muß darüber lachen, weil es so kindlich ist, daß es verschiedene Gottheiten gibt, welche sich zerkriegen. Heute glauben die Menschen nur an einen Gott, und wenn es angeht, beten sie, daß er ihnen hilft. Auf beiden Seiten sagen die Priester, daß er zu ihnen steht, welches aber nicht möglich ist, weil es doch zwei sind. Man sieht es erst hintendrein. Wer verliert, sagt dann, daß er bloß geprüft worden ist. Wenn der Krieg angegangen ist, spielt die Musik. Die Menschen singen dann auf der Straße und weinen. Man heißt dies die Nationalhymne. Bei jedem Volk schaut dann der König zum Fenster heraus, wodurch die Begeisterung noch größer wird. Dann geht es los. Es beginnt der eigentliche Teil des Krieges, welchen man Schlacht heißt. Sie fängt mit einem Gebet an, dann wird geschossen, und es werden die Leute umgebracht. Wenn es vorbei ist, reitet der König herum und schaut, wie viele tot sind. Alle sagen, daß es traurig ist, daß so etwas sein muß. Aber die, welche gesund bleiben, trösten sich, weil es doch der schönste Tod ist. Nach der Schlacht werden wieder fromme Lieder gesungen, was schon öfter gemalt worden ist. Die Gefallenen werden in Massengräber gelegt, wo sie ruhen, bis die Professoren sie ausgraben lassen. Dann kommen ihre Uniformen in ein Museum; meistens sind aber nur mehr die Knöpfe übrig. Die Gegend, wo die Menschen umgebracht worden sind, heißt man das Feld der Ehre. Wenn es genug ist, ziehen die Sieger heim; überall ist eine große Freude, daß der Krieg vorbei ist, und alle Menschen gehen in die Kirche, um Gott dafür zu danken. Wenn einer denkt, daß es noch gescheiter gewesen wäre, wenn man gar nicht angefangen hätte, so ist er ein Sozialdemokrat und wird eingesperrt. Dann kommt der Friede, in welchem der Mensch verkümmert, wie Schiller sagt. Besonders die Invaliden, weil sie kein Geld kriegen und nichts verdienen können. Manche erhalten eine Drehorgel, mit der sie patriotische Lieder spielen, welche die Jugend begeistern, daß sie auch einmal recht fest zuhauen, wenn es losgeht. Alle, welche im Krieg waren, bekommen runde Medaillen, welche klirren, wenn die Inhaber damit spazieren gehen. Viele kriegen auch den Rheumatismus, und werden dann Pedelle am Gymnasium, wie der unsrige. So hat auch der Krieg sein Gutes und befruchtet alles.

Ludwig Thoma, 1867-1921

Des Krieges Buchstaben - Friedrich von Logau
Bewaffneter Friede - Wilhelm Busch
Herr Biedermeier - Ludwig Pfau
Lied vom Drohnenkönig - Ludwig Pfau ...oder besser: von Königsthronen ;-)
Schwarzrotgold - Ludwig Pfau
Silvester 1914- Max Dauthendey
Der Flieger - Klabund
Der Krieg - Georg Heym
In Flanders Fields the poppies blow - John McCrae
Jetzt tut man mir nichts mehr beim Militär - Alfred Lichtenstein
An die Soldaten des großen Krieges - Gerrit Engelke
Kokain - Anita Berber
Das Trauerspiel von Afghanistan - Theodor Fontane

Einem Pazifisten ins Stammbuch

Die Dummheit ist der Menschheit größter Feind hienieden, sie schürt den Haß und Streit auf diesem Erdenballe. Deshalb bekommen wir auch keinen Dauerfrieden. Ein Weiser sagt: Die Dummen werden niemals alle.

Fred Endrikat, 1890-1942

Nicht verdummen

In der Weltgeschichte glückte die Verdummung streckenweise, dauernd nicht. Nicht alle machten immer alles mit. Verdummende Werbung benutzt Worte der Verdrehung. Irreführung. Es wird gefährlich, wenn Verdummte zweifeln. Man denke an die Gleichung vom Waffengeschäft als Friedensgeschäft. Im Waffengeschäft ist der Kunde der Tod. Wer am Tod verdient, verdient ihn.

(Mit frdl. Erlaubnis: © Heinz Hector)

speziell bayerisch...
Gott mit dir, du Land der Bayern - Michael Öchsner
Eröffnungshymne - Ludwig Thoma
Ein Münchner im Himmel - Ludwig Thoma
Der bayerische Chevauleger - Ludwig Thoma

über ...Baiern und Schwaben...im "Kriegszustand"  ;-)

Der Spion der Schwaben.

Die Baiern kriegten mit den Schwaben.
Um Nachricht von dem Feind zu haben,
Ward aus dem ganzen Schwabenland
Der schlauste Junge hingesandt.

Die Baiern merkten sein Betragen,
Man griff ihn fest, ihn auszufragen.
"Ihr Herren, st! lasst mich davon;
Ich muss zurück: ich bin ja der Spion." - Ludwig Heinrich von Nicolay, 1737-1820

und: ...früher wie heute aktuell ... immer und überall:

Gedichte über die ´moderne Zeit`
- über Beeinflussung, Verführung, Politik, Macht, Geld, Mode...

Manche freilich - Hugo von Hofmannsthal
Heutige Weltkunst - Friedrich von Logau

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Des Heiligen Römischen Reichs Bienenkorb

1843

Du deutscher Bienenschwarm,
O, daß sich Gott erbarm´ !
Was hast du alles schon gemacht!
Du mühst und quälst dich Tag und Nacht,
und bringst es doch nicht weiter.

Du Volk voll Industrie,
voll Geist und Poesie,
du dringst in Kunst und Wissenschaft
und holst heraus den besten Saft
und füllest deine Zellen.

Du edle Nation !
Was aber ist dein Lohn?
Sind deine Waben voll und schwer,
so kommt ein fremder Zeidelbär
und holt dir deinen Honig.

Und ist zerstört dein Haus,
was machst du dir daraus?
Du fängst von neuem an zu bauen
und holst im stillen Gottvertrauen
dir wieder neuen Honig.

Und sind die Waben voll,
kommt wieder, blind und toll
ein neuer fremder Zeidelbär,
wohl gar der Moscowiter her,
und holt dir deinen Honig.

So geht es allezeit,
jetzt und in Ewigkeit:
Wir mühen uns alle Tag und Nacht,
und haben wir dann was vollbracht,
So ist´ s nur für die Bären.

O deutscher Bienenschwarm!
O, daß sich Gott erbarm´ !
Die Weltgeschichte zeigt es klar,
daß so es ist und immer war:
Wir sind und bleiben Bienen.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874

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Panslavismus

Russisch werden wir gar bald –
Das ist keine Frage:
Wird`s bei uns nicht russischer
Jetzt von Tag zu Tage?
Wird bei uns nicht jetzt censirt
Ebenso, als ob regiert`
Schon die russische Knute?

Unsre Fürsten wollen gern
Russisch uns dressiren,
Denn sie glauben, daß sie so
Leichter uns regieren;
Daß der weiße Zaar alsdann
Leichter uns erobert.

Uns gefällt die Knute nicht:
Wird sie wol gefallen
Unsern Fürsten, wenn sie sind
Russische Vasallen?
Manchem könnt` es schaden zwar
Nicht, wenn er einmal im Jahr
Auch die Knute schmeckte.

Meinetwegen laßt uns dann
Immer russisch werden,
Jedes Unglück hat ja doch
Auch sein Guts auf Erden,
Und wir können offenbar
Dann recht billig Kaviar
Und Kapuster essen.

Aus: Deutsches Volksgesangbuch von
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874

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"Wenige Menschen denken, und doch wollen alle entscheiden"
( Friedrich II. der Große, König von Preußen, 1712-1786)

Wer die WAHL hat, hat die Qual:
Schmeicheleien rund um die ´Stimme`— von La Fontaine — nicht von Oskar!   ;-)
Der Fuchs und der Rabe - Le corbeau et le renard — ...und... Ihre ´Stimme`?
Die Wahlesel - Heinrich Heine

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,
Verstand ist stets bei wen`gen nur gewesen
Bekümmert sich ums ganze, wer nichts hat?
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Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
Der Staat muß untergehn, früh oder spät;
Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

Friedrich von Schiller (Sapieha/ Demetrius)

Resignation

Es gibt noch Leute, die sich quälen,
Aus denen sich die Frage ringt:
Wie wird der Deutsche nächstens wählen?
Wie wird das, was die Urne bringt?

Die Guten! Wie sie immer hoffen!
Wie macht sie doch ein jedes Mal
Der Ausfall neuerdings betroffen!
Als wär' er anders, wie normal!

Wir wissen doch von Adam Riese,
Dass zwei mal zwei gleich vieren zählt.
Und eine Wahrheit fest wie diese
Ist, dass man immer Schwarze wählt.

Das Faktum lässt sich nicht bestreiten,
Auch wenn es noch so bitter schmeckt.
Doch hat das Übel gute Seiten:
Es ruhet nicht auf Intellekt.

Man muss die Sache recht verstehen;
Sie ist nicht böse, ist nicht gut.
Der Deutsche will zur Urne gehen,
So wie man das Gewohnte tut.

Wer hofft, dass es noch anders würde,
Der täuscht sich hier, wie überall.
Die Schafe suchen ihre Hürde,
Das Rindvieh suchet seinen Stall.

Ludwig Thoma, 1867-1921

Die Wanderratten - Heinrich Heine
Reklame - Joachim Ringelnatz
Gold - Joachim Ringelnatz
...und wird die Welt auch noch so alt... - Carl Spitzweg
À la mode - Johann Michael Moscherosch
Der Rubel auf Reisen - August von Platen
Geld regiert die Welt - Johann Michael Moscherosch

Die Macht des Geldes wirkt auf den Menschen genau wie jede andere irdische Macht: wohlthätig, so lange er sie beherrscht,
verderblich aber, sobald er ihr zu gehorchen beginnt. (Karl Friedrich May, 1842-1912)

Das ist ein Jagen auf dieser Erden
nach Rang und Würden und gleißendem Schein...
im hitzigen Fieber, etwas zu werden,
versäumen die Toren, etwas zu sein.— (Oskar Blumenthal)

und ein Beitrag zur aktuellen Migrationsdebatte:
Orient und Okzident

Sein und Schein - Wilhelm Busch
Das ist ein häßliches Gebrechen - Oskar Blumenthal

Für alle, die sich "nicht getroffen" fühlen (sollten), hat Kurt Tucholsky noch ein Gedicht bereit:

Denen, die sich nicht getroffen fühlen

Er wohnt am Rand der reichen Leute,
verkehrt mit Adel und heißt Schmidt.
Den Schlips von morgen trägt er heute
und fährt in fremden Autos mit.
Er lebt in einem ihm fremden Stile –
Fauler Kopp!
Fauler Snob!
Aber davon gibts viele.

Er selbst hat nur ein kleines Zimmer,
als Untermieter bei Frau Schay.
Doch geht er aus, dann tut er immer,
als wär er aufgewachsen bei.
Von der Socke bis zum gescheitelten Haar:
es ist alles nicht wahr - es ist alles nicht wahr!

Er ist so gerne eingeladen:
er reckt an Kaufmann und Bankier.
Er weiß, am Lido muß man baden,
er grüßt im Ritz den Herrn Portier.
Er nassauert elegant und beflissen
vor fremden Kulissen.

Was er auch hat, das hat er gratis.
Er läuft mit der Society.
Er kennt die feinsten Cocktail-Parties.
Nur seine Lage kennt er nie.
Bald kunstgewerblicher Friseur,
bald Redakteur ...
so sehn wir ihn gestern, morgen und heute:
ein Affe.
Ein Affe der reichen Leute.

Kurt Tucholsky, 1890-1935

 

Das gemeinsame Schicksal - der Lauf der Welt

Siehe, wir hassen, wir streiten, es trennet uns Neigung und Meinung,
Aber es bleichet indes dir sich die Locke wie mir. - Friedrich von Schiller

Es ist nur so der Lauf der Welt - Adelbert von Chamisso
Des Menschen Hand - Wilhelm Raabe
Hobellied - Da streiten sich die Leut` herum - Ferdinand Raimund

Bundeslied

Es kann ja nicht immer so bleiben
Hier unter dem wechselnden Mond;
Es blüht eine Zeit und verwelket,
Was mit uns die Erde bewohnt.

Es haben viel fröhliche Menschen
Lang vor uns gelebt und gelacht;
Den Ruhenden unter dem Rasen
Sey fröhlich dieß Gläschen gebracht!

Es werden viel fröhliche Menschen
Lang' nach uns des Lebens sich freun,
Uns Ruhenden unter dem Rasen
Den Becher der Fröhlichkeit weihn.

Wir sitzen so traulich beysammen,
Wir haben einander so lieb,
Erheitern einander das Leben;
Ach, wenn es doch immer so blieb'!

Doch weil es nicht immer so bleibet,
So haltet die Freude recht fest;
Wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet
Das Schicksal nach Ost und nach West!

Und sind wir auch fern von einander,
So bleiben die Herzen sich nah!
Und Alle, ja Alle wird's freuen,
Wenn Einem was Gutes geschah.

Und kommen wir wieder zusammen,
Auf weise verhülleter Bahn,
So knüpfen an's fröhliche Ende
Den fröhlichen Anfang wir an! - August von Kotzebue, 1761-1819

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Gedichte - Gebete - Religiöses

Die Lehrer sind im Streit, womit hier auf der Erde
Am würdigsten gesucht das Antlitz Gottes werde.
Die einen: Ehren soll man Gott mit Opfergaben,
Im Dienste, welchen wir von unsern Vätern haben.
Die andern: Loben soll man ihn mit guter That,
Wozu er Kraft verliehn und Trieb zum Guten hat.
Die dritten: suchet ihn in heiliger Gesinnung,
Gesammelten Gemüts Weltsinnenlustentrinnung.
Die vierten sagen: Gott hat nur, wer ihn erkennt;
Die Wissenschaft allein ist Gotteselement.
Ich aber sage dir: Mit jedem von den vieren
Magst du ihn suchen hier, und wirst ihn nicht verlieren.
Wer ihm die Gaben weiht, genießet seiner Gaben;
Wer durch ihn Gutes thut, wird im Gemüt ihn haben.
Mit ihm ist ungestört, wer von der Welt sich trennt,
Und Eines ist mit ihm, wer ihn als Eins erkennt. - Friedrich Rückert, 1788-1866

Die Sonne siehst du nur durch Sonnenlicht,
So schaust du Gott durch Gott, durch andres Mittel nicht.
Die Sonne, die das Licht, die Welt zu sehn, dir spendet,
Siehst du ihr Angesicht, bist du davon geblendet.
Und so im Menschengesit erlischt, was in ihm denkt,
Wenn er sein Denken dreist im höchsten Geist versenkt.
Mußt du die Sonne sehn? sieh Fluren sonnerhellt;
Und willst du Gott sehn, sieh die gotterfüllte Welt.
Der Sonne echte Kraft siehst du im Schmelz der Flur,
Und Gott, den du nicht siehst, in seinen Werken nur. - Friedrich Rückert, 1788-1866

Religion

Arabisch heißet Dien Religion von Dienen,
Denn nicht zum Herrschen ist sie auf der Welt erschienen.
Religion, so lang sie dienstbar ist auf Erden,
Der Menschheit dienet sie zum Trost in den Beschwerden.
Da ist sie Gottedienst ohn` äußern Prunk und Braus;
Sobald sie herrschend wird, wird eitler Weltdienst draus.

Glaube

Ein jeder Glaube hält sich für den einzig wahren,
Und seine Kraft kann er auch so nur offenbaren,
Der einzig wahre nur ist er an seinem Ort,
Nicht minder aber wahr sind andre hier und dort.
Was hat denn nun ein Mensch vom Glaubenswort zu halten?
Das seinige für wahr an seinem Ort zu halten.
Sohn, halt an deinem Ort an deinem Glaubenswort,
Und laß am ihrigen die andern halten dort.

aus: Weisheit des Brahmannen - Friedrich Rückert, 1788-1866

Kannst du noch beten? - Karl Friedrich May
Ich bitte nicht um süsses Glück der Erde... - Charlotte Sophie Sidonie Seidel
Liebe, die des Herzens Mängel...  - Charlotte Sophie Sidonie Seidel
Am fünften Sonntage nach Ostern - Annette von Droste-Hülshoff
Ich bete an die Macht der Liebe - Gerhard Tersteegen
Mich dir anzuschmiegen unzertrennlich - Gertrud von Helfta, deutsche Mystikerin

und zum Schluss noch: ´Tipps und Ratschläge für`s Leben, Mahnung, Trost etc.`

An sich - Paul Fleming
Üb`immer Treu und Redlichkeit - Ludwig Heinrich Christoph Hölty
Geh! gehorche meinen Winken - Johann Wolfgang von Goethe
Breite und Tiefe - Friedrich Schiller
If - Rudyard Kipling
...ein guter Rat - Aleksandr Sergeevič Puškin
Ne dites pas : la vie est un joyeux festin ... - Jean Moréas
Fühl alle Lust, fühl alle Pein - Jakob Michael Reinhold Lenz
Beherzigung - Johann Wolfgang von Goethe
Überlaß es der Zeit - Theodor Fontane
Diplomatischer Rat - Franz Grillparzer
Bedachtsamkeit - Karl Friedrich May
Sei weise! - Karl Friedrich May
Hab Sonne im Herzen - Cäsar Flaischlen

Gott gebe dir an dir ein stilles Wohlgefallen,
Ein innigfreudiges in seiner Gnade Wallen;
Ein heiliges Gefühl, daß du ihm angehörest,
Und seine Ordnungen, die ewigen, nicht störest;
Ein hebendes Gefühl, das du auf rechten Wegen
Mit rechten Kräften strebst dem rechten Ziel entgegen;
Nicht Selbstgefälligkeit, sich andern überhebend,
Nicht Ungeselligkeit, in enger Dumpfheit strebend;
Durch Selbstgenügsamkeit in deiner eignen Weise,
Und Seelenfügsamkeit in deinem Schicksalskreise;
Und Selbstzufriedenheit, mit aller Welt in Frieden,
Weltabgeschiedenheit, von Gott nur ungeschieden.

Friedrich Rückert, 1788-1866

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Einfache Erkenntnis

Wenn du dir da draußen die Natur besiehst,
findest du: das dümmste Rindvieh hat sein Hörnchen.
Auch der kleinste Igel ist kein Pazifist,
und die allerschönste Rose hat ihr Dörnchen.

Ja sogar der allerultrafrömmste Christ
hat den Herrgott, der mit Schwert und Feuer richtet.
Ach, das Märchen von dem guten Pazifist
hat ein alter, hinterlistger Fuchs erdichtet.

In der Welt regiert die Tat – nicht das Geschwätz,
das beweisen uns die Zeiten in den Ländern.
Kämpfen war und bleibt stets das Naturgesetz,
und kein Mensch wird daran jemals etwas ändern.

Du wirst finden, ob du Heide oder Christ,
und du kannst bis an das End' der Erde wandern:
Hüte dich, daß dich kein andrer frißt.
Wenn du wehrlos bist – dann fressen dich die andern.

Fred Endrikat,  1890-1942

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Einem Menschenverbesserer ins Stammbuch

Für andre Narren hast du keinerlei Verständnis,
denn ihre Schrullen bringen dich so leicht in Wut.
Betrachte dich im blanken Spiegel der Erkenntnis,
dann siehst du deinen eignen bunten Narrenhut.
Bis siebzig Jahre hast du an dir selbst zu feilen.
Glaubst du, dann fehlerfrei zu sein, mein Freund? Du irrst.
Willst du vollkommen werden, mußt du dich beeilen,
selbst wenn du älter noch als hundert Jahre wirst.

Fred Endrikat, 1890-1942

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Einem Neunmalklugen ins Stammbuch

Es liebt die Mängel aufzudecken
der überkluge Erdenwicht.
Er sucht selbst in der Sonne Flecken
und übersieht ihr strahlend Licht.

Fred Endrikat, 1890-1942

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