Gedichte - Balladen Fabeln Märchen Rätsel

Lasst meines Alters Trost und Licht Nicht schmählich am Galgen hangen!" Die Sonne hell im Mittag stand, Der Graf saß hoch zu Pferde, Das jammernde Weib hielt sein Gewand Und schrie vor ihm auf der Erde. Da rief er: "Gut, eh die Sonne geht, Kannst du drei Äcker mir schneiden, Drei Äcker Gerste, dein Sohn besteht, Den Tod soll er nicht leiden." So trieb er Spott, hart gelaunt, Und ist seines Weges geritten. Am Abend aber, der Strenge staunt, Drei Äcker waren geschnitten. Was stolz im Halm stand über Tag, Sank hin, er musst es schon glauben. Und dort, was war's, was am Feldrain lag? Sein Schimmel stieg mit Schnauben. Drei Äcker Gerste, ums Abendrot, Lagen in breiten Schwaden, Daneben die Mutter, und die war tot. So kam der Knecht zu Gnaden. - Das Hufeisen - Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832 Als noch, verkannt und sehr gering, Unser Herr auf der Erde ging, Und viele Jünger sich zu ihm fanden, Die sehr selten sein Wort verstanden, Liebt' er sich gar über die Maßen Seinen Hof zu halten auf der Straßen, Weil unter des Himmels Angesicht Man immer besser und freier spricht. Er ließ sie da die höchsten Lehren Aus seinem heiligen Munde hören, Besonders durch Gleichnis und Exempel Macht' er einen jeden Markt zum Tempel.

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