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Ein dicker Sack - Wilhelm Busch, 1832-1908 Ein dicker Sack - den Bauer Bolte, Der ihn zur Mühle tragen wollte, Um auszuruhn, mal hingestellt Dicht bei ein reifes Ährenfeld - Legt sich in würdevolle Falten Und fängt 'ne Rede an zu halten. "Ich", sprach er, "bin der volle Sack. Ihr Ähren seid nur dünnes Pack. Ich bin's, der euch auf dieser Welt In Einigkeit zusammenhält. Ich bin's, der hoch vonnöten ist, Daß euch das Federvieh nicht frißt; Ich, dessen hohe Fassungskraft Euch schließlich in die Mühle schafft. Verneigt euch tief, denn ich bin der! Was wäret ihr, wenn ich nicht wär'?" Sanft rauschen die Ähren: "Du wärst ein leerer Schlauch, Wenn wir nicht wären." - Die Schnitterin - Gustav Falke, 1853-1916 War einst ein Knecht, einer Witwe Sohn, Der hatte sich schwer vergangen. Da sprach sein Herr: "Du bekommst deinen Lohn, Morgen mußt du hangen." Als das seiner Mutter kund getan, Auf die Erde fiel sie mit Schreien: "O, lieber Herr Graf, und hört mich an, Er ist der letzte von dreien. Den ersten schluckte die schwarze See, Seinen Vater schon musste sie haben, Dem andern haben in Schonens Schnee Eure schwedischen Feinde begraben. Und lasst ihr mir den letzten nicht Und hat er sich vergangen,

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