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O wie ist der Epheu treu!
Kann er sich nicht selbst erheben
Kann er gleich dem Wein nicht reben,
Kann er doch so liebend ranken
An den Armen an den Kranken
Auf zum wahren Weinstock streben!
O wie ist der Epheu gut
Wo er nur ein bißchen ruht
Gleich die Würzelchen fest klammern,
Daß die Trennung ihn muß jammern,

O wie ist der Epheu treu,
Wenn die Grabesurne bricht
Läßt sie doch der Epheu nicht
Bindet um die Asche fest die Scherben,
Denn getrennet muß er sterben.
O wie ist der Epheu hold
Aus der Wüste steigt er auf
Wie die Braut die sich auf den Geliebten stützet.

O wie ist der Epheu zäh
Von der Wurzel losgeschnitten
Werden Wurzeln seine Zweige
Daß er nie von jenem weiche
Was er einmal hat umarmt.

O wie ist der Epheu sinnend
Und das was er sinnet minnend,
Wer trennt mich von meiner Liebe,
Um das Kreuz schlingt er die Triebe.
In der Wüste lag ein Stein
So allein, allein, allein
Kam der Epheu zäh und kraus
Baute drum ein grünes Haus
Immergrün ist er geblieben
Sollte ihn der Stein nicht lieben.

Clemens Brentano, 1778-1842